Mittwoch, 6. Januar 2016

Köln

Köln wurde im Zweiten Weltkrieg arg getroffen. Über 90 Prozent der Innenstadt wurde zerstört, und die Rasanz, mit der man anschließend Häuser hochzog, ist wohl Schuld am heutigen insgesamt eher hässlichen Stadtbild. Verglichen mit Berlin, Hamburg, Bonn, München, Stuttgart und vielen anderen Städten kann Köln nur mit wenigen wirklich schönen Altbau-Alleen aufwarten.

In der Silvesternacht ist nun eine weitere hässliche Seite hervorgetreten: Statistiken zeigen, dass Köln sowohl was Diebstähle als auch sexuelle Übergriffe auf Frauen in Deutschland angeht ganz oben rangiert. Dies kulminierte nun in einer Serie von Überfällen, die sprachlos machen. (Eindringlich geschildert zum Beispiel in diesem Artikel in der Süddeutschen Zeitung: http://www.sueddeutsche.de/panorama/koeln-ich-habe-noch-nie-so-viele-heulende-maedchen-gesehen-1.2806316.) Und wieder herrscht Krieg in Köln. Raketen werden in die Menschenmenge geschossen, Frauen werden von Männergruppen umkreist, sexuell belästigt, bestohlen, erniedrigt. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind bereits über 100 Anzeigen bei der Polizei eingegangen, der es in jener Nacht nicht gelungen ist, die Gewalt einzudämmen.

Aber: Warum eigentlich nicht? Diese Frage muss sich meine Heimatstadt gefallen lassen.

Nun ist dies sicher kein Kölner Problem. Und es ist auch kein ausländisches und schon gar kein Flüchtlings-Problem. Sexuelle Übergriffe passieren unter allen Herkünften und Religionen (in den eigenen Wänden übrigens viel öfter als im öffentlichen Raum), und sie gehen in der Hauptsache von Männern aus. Und deshalb bewegt mich vor allem eine Frage, die vielleicht naiv klingen mag: Was ist nur los mit diesen Männern? Ich würde mich zur Beantwortung der Frage ja selber zu Rate ziehen, schließlich gehöre ich diesem Geschlecht an. Aber ich habe einfach keine Antwort. Ich kann nicht sagen, was Männer dazu antreibt, Frauen zu demütigen. Mir ist unerklärlich, warum Männer sich das Recht heraus nehmen, Frauen als ihr Eigentum zu betrachten, sie wie Vieh zu jagen, zu bestehlen und zu missbrauchen. Dies ist einer jener Augenblicke, in denen ich dazu neige, mich furchtbar für mein Geschlecht zu schämen. Nur Männer machen so etwas (Ausnahmen bestätigen auch in diesem Fall die Regel). Oder, um es genauer zu definieren (und das ist mir ja möglich, schließlich bin ich kein Journalist und muss nicht um Contenance bemüht sein): nur Arschlöcher.

Wie konnte es sein, dass so viele Männer derart viele Überfälle an einem Ort begehen, den ich mir in einer Silvesternacht eigentlich beschützter vorstelle? War es klug, Männer, die gerade erst Raketen in Menschenmengen gefeuert haben, vom Bahnhofsvorplatz in den Bahnhof selber zu scheuchen? Hinterher ist man immer schlauer. Und trotzdem lässt mich der Gedanke nicht los, dass dieser Ausbruch an Gewalt durch vorausschauende Entscheidungen hätte verhindert werden können.

Dazu kommt: Warum haben wir erst Tage später davon erfahren? Die Polizei vermeldete zunächst eine friedliche Silvesternacht. Als erste Medienberichte auftauchten, verschob das ZDF in den heute-Nachrichten seine Berichte über die Vorfälle auf den nächsten Abend, um „Interviews einzuholen“. Sind die Übergriffe in der Silvesternacht nicht ernst genug genommen worden? Warum nicht? Und wie konnte die Situation dermaßen außer Kontrolle geraten? Zu wenige Einsatzkräfte vor Ort, heißt es von Seiten der Polizei. Wie kann das sein? In einer Silvesternacht, an einem Ort, an dem einem schon an normalen Abenden immer wieder zwielichtige Personen begegnen.

Die nächste Party in Köln steht an. Den Karneval lässt der Kölner sich nicht vermiesen, komme, was wolle, und das ist ja auch richtig so. Die falscheste Reaktion auf solche Verbrechen ist es, sich zu verstecken. Aber: Was lernen wir alle aus jener Silvesternacht? Die Reaktionen der Politik lassen nicht gerade Zuversicht aufkommen: Oberbürgermeisterin Reker meint, es sei für Frauen „immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft.“ Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers sieht „keine Versäumnisse“ der Polizei. Vielleicht ist dem so. Aber heißt das also, dass die Polizei vor Ort alles in ihrer Macht stehende getan hat? Wie konnte die Situation über Stunden dann derart eskalieren? Die politischen Reaktionen beruhigen so sehr wie Thomas de Maizières berüchtigt gewordene Aussage nach der Absage des Deutschlandspiels in Hannover.

Vielleicht sind nicht die Überfälle, jedoch der Umgang der Polizei vor Ort damit eben doch auch ein Kölner Problem. Wurde auf die Feierwut der Kölner in jener Nacht zu sehr Rücksicht genommen? Nimmt man in einer Stadt, die die Hochburg des Diebstahls ist, einzelne Vorfälle nicht mehr ernst? Dies soll keine Polizistenschelte sein, verstehen Sie mich nicht falsch. Die Einsatzkräfte vor Ort hätten sicher selber liebend gern mehr Unterstützung gehabt. Und natürlich dürfen wir uns durch so etwas die Lust am Feiern, an der Freude, am öffentlichen Leben nicht nehmen lassen. Ich frage mich viel mehr, ob die Mentalität der Stadt ihr in diesem Fall nicht das Genick gebrochen hat: Drink doch met un kümmer dich nit dröm.

Zurück bleibt von der Feier nur noch Wut. Und eine Ohnmacht. Und mich beunruhigen nicht nur die Vorkommnisse, sondern auch die scheinbare Tatenlosigkeit. Wenn meiner Partnerin so etwas passiert und ich nicht da bin, kann ich mich darauf verlassen, dass ihr von anderen geholfen wird? Wo kann ich mich sicher fühlen?

Und warum tun Menschen so etwas?

Verzeihen Sie diese zweite naive Frage. Sie drückt ja doch nur meine Hilflosigkeit aus.

Es ist die eine Frage, auf die wir nie eine Antwort erhalten werden.

Kommentare:

  1. Was dort geschehen ist, ist wirklich unfassbar. Und ich habe leider die Vorahnung, dass es nicht der letzte Vorfall dieser Art gewesen sein wird. Die Polizei ist nicht überall zur Stelle - und bei diesen Massen an Verrückten ist es auch nicht leicht, solche Situationen unter Kontrolle zu bekommen.

    Wie soll das bloß weitergehen? Es können doch nicht an allen Orten Gruppen von Polizisten verfügbar gemacht werden, um im Notfall eingreifen und Verstärkung holen zu können. Zu vielfältig sind die Möglichkeiten, andere Gegenden für solche Verbrechen zu nutzen.

    Und man kann sich doch auch nicht zu Hause verstecken, nur weil solche Vorfälle immer wieder passieren könnten.

    Ich bin selber oft unterwegs - und das auch mal nicht nur am Tag. Unter anderem komme ich dabei doch auch öfter mal am Hbf in Köln vorbei. Ich werde in Zukunft noch wachsamer sein. Nicht nur in Köln, sondern überall.

    Ich bin nun wirklich nicht ausländerfeindlich und weiß, dass es solche Arschlöcher überall gibt - aber man darf dabei leider nicht vergessen, dass die "Flüchtlinge" ja oft aus Ländern stammen, in denen Frauen nichts wert sind und generell nicht gut gehandelt werden. Dieses Gedankengut wird bei der Einreise ja leider nicht an der Grenze zurückgelassen.........

    ***

    PS: Ich habe deinen Blog sehr vermisst und freue mich, mal wieder etwas von dir zu lesen...

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  2. Ich glaube, ohne rassistisch wirken zu wollen, es ist ein Problem der Kulturen. In den Berichten war zu vernehmen, dass nur südländisch aussehende Männer bei diesem Vorfall zugegen waren.
    In den meisten ismalischen Ländern sind Frauen weniger wert als ein Kamel. Sie dürfen sich nicht frei bewegen, dürfen keine eigene Meinung haben und sind Eigentum des Ehemannes. Es ist nicht verwunderlich, dass sich die Gewalt gegenüber Frauen häuft, jetzt da eine Menge Männer mit so anderen Vorstellungen über das Leben einer Frau in unsere westliche Welt kommt. Und wir dürfen nicht vergessen: das Meiste was wir Frauen tun, wie wir aussehen und wie wir Leben ist eine Provokation für diese Männer.

    Ich glaube, dass wird in Zukunft (nah und fern) ein Problem bleiben. Man müssten das Thema "Flüchtlinge" generell anders angehen. Eine Anekdote aus meinem Alltag: Ich arbeite in einer Apotheke. Vor kurzem kam ein Asylbewerber mit Rezept zu uns. Er verstand weder Deutsch noch Englisch. Auch mit Französisch konnte er nichts anfangen. Wie um alles in der Welt, soll dieser Mensch verstehen, wie er seine Medikamente einzunehmen hat? Ein Anderer hat sein Medikament, was wir bestellen mussten da wir es nicht vorrätig hatten, noch nicht mal abgeholt. Warum kann man nur vermuten. Vielleicht hat er gar nicht kapiert, dass er noch etwas abholen soll oder er war einer von der Sorte, die sich von Frauen nichts dagen lassen.

    Es ist ja kein Zufall, dass sich gerade jetzt so etwas häuft. Und das nicht Ausländer generell Frauen belästigen, sondern nur "Arschlöcher" (wie ich das heute irgendwo gelesen hab), stimmt natürlich. Aber doch kann man nicht umhin, Schlüsse daraus zu ziehen.
    Und das ist ja weder der Anfang noch das Ende. Ist ja logisch, dass sich die Stimmung aufheizt, wenn 150 Menschen auf Dauer in einem großen Haus zentral untergebracht sind. Aber, wenn die allermeisten Deutschen, so wie in den Medien verbreitet, pro Asylbewerber sind müsste es dann nicht unnötig sein, solchen zentralen Unterkünfte zu schaffen?

    Unsere Gesellschaft ist im Wandel. Ob das immer so gut ist, wird sich herausstellen. Fakt ist, dass man als Frau alleine im Dunkeln oft nicht mehr sicher ist. Ist das nicht traurig???

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  3. es ist wirklich unfaßbar was in der Silvesternacht passiert ist , leider nicht nur in Köln

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  4. Da können wir leide nix dran endern. Leider.

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