Montag, 5. Dezember 2011

Deeper Underground

(Achtung, Achtung: Dieser Blog enthält explizite Ausdrücke mit f, b und S. Sollten Sie empfindlich gegenüber jeglichem Schweinkram sein, empfehle ich, diesen Blog nicht zu lesen. Sollten Sie sich Lusterweiterung erhoffen, gilt das Gleiche! LG, Ihr Robin Futt.)


Das wohlige Gefühl der Vorweihnachtszeit hat mich ergriffen: Meine Wohnung ist in mattes Kerzenlicht getaucht, es riecht immer noch nach den selbstgebackenen Plätzchen vom Sonntag, meine Balkonfenster haben mittels künstlichem Schnee Sprossen erhalten und im Fernseher knistert ein Kaminfeuer die Behaglichkeit einer einsamen Berghütte in den Raum. Die erste Tasse Glühwein ist auch schon getrunken, und zwar mit meinem Studienkollegen Richard, mit dem ich gemeinsam die Straße hinab schlendere, berieselt von Bing Crosbys „White Christmas“, als mir plötzlich ein Laden in den Blick fällt. „Lass uns dahin, das wird lustig“, sage ich, und Richard nickt grinsend. Wenn noch etwas fehlt zur endgültigen Weihnachtsstimmung, dann ist es ein Besuch im Sexshop.
Sexshops verkaufen zwar alles für den Lustbedarf, präsentieren sich selber jedoch derart abtörnend, dass man sie eigentlich nur aus Jux betreten kann. Im Eingangsbereich begrüßt uns ein Schild mit dem Hinweis auf samstägige Pärchenabende im Kinobereich. Allerdings verraten die gar nicht, welcher Film laufen soll, und ich kaufe ungern die Katze im Sack, also schließe ich einen Besuch aus. Im Schaufenster hängt ein Schild auf dem steht: „Suchen junge, flexible Mitarbeiterin …“, was im Zusammenhang mit einem Sexshop alles mögliche heißen kann. Kurz überlege ich, ob ich mich für den Job einer Geschlechtsumwandlung unterziehen soll, aber so flexibel bin ich dann doch nicht.
Drinnen erwartet uns als erstes eine Wand mit Sexmagazinen. Ich hatte ja keine Ahnung, dass es so viele Hefte zu ein und dem selben Thema geben kann. Viel interessanter sind allerdings die Filme und ihre Titel und Inhaltsangaben. Sie sind der Grund, weswegen ich mich hierher gewagt habe und das Risiko eingehe, dass eine der Kundin mich erkennt und quer durch den Laden ruft: „Ey, Uschi, da steht Christian Wunderlich. Bei den Lederpeitschen.“ Der Verkäufer hinter dem Tresen lächelt uns wissend an; wir scheinen nicht die ersten zu sein, die sich aus reiner Belustigung hierher verirren.
Um die Pornotitel zu lesen, muss man leider auch ihre Szenenbilder in Kauf nehmen, was bisweilen traumatisch sein kann, wenn es zu Filmen kommt wie „Geile Omas – Ficken statt Stricken“ oder „Schwanger und schon wieder geil“. Dabei ist es vollkommen Latte … ähm, egal, welchen Titel der Film trägt: Die Fotos sind immer die gleichen. Passend zum 6. Dezember finde ich zum Beispiel einen Film mit dem festlichen Titel „Spritzgebäck vom Fickolaus“, auf dem ein Darsteller eine junge Frau mit seiner Rute bestraft. Da Richard für die Bundeswehr arbeitet, interessiert er sich für den Film „Im Gleichfick Arsch“, auf dessen DVD-Cover eine Frau im Tarnanzug von einem Mann mit einem Farn auf dem Kopf begattet wird. Für die Freunde der gepflegten Literatur gibt es Analogien (Analogien, nicht Analorgien) wie „Die Reise zum G-Punkt der Elke“ und „Moby Fick – im Arsch des Pottwals“. Auch Kinofreunde kommen hier auf ihre Kosten mit den Epen „Das Wunder von Bernd“ und „Der mit dem Wolfschwanz“.
Schließlich entdecke ich die VHS-Kassette (!) einer Zeichentrickporno-Sammlung (!!). Ähm … Ernsthaft? Wie verzweifelt muss man sein, sich beim Gangbang von Schneewittchen und den sieben Zwergen zu befriedigen? Auf der Kassette findet sich unter anderem der Film „Robin Futt“, der in seiner Inhaltsangabe mit einem gar drolligen Vers beschrieben wird: Wer bumst dich in den siebten Himmel? Es ist der Robin mit seinem Pimmel.“ Also, bei aller Liebe, wer davon geil wird hat ein ernsthaftes Problem.
Im nächsten Bereich stoße ich auf eine … finde ich eine Plastikausgabe von Dolly Buster vor, eine jener Pornodarstellerinnen, bei denen ich mich immer gefragt habe, wer diese aufgeblasenen … aufgepumpten Lippen/Brüste/Wangenknochen wirklich schön findet. Ich stelle mir vor, wie viele notgeile Typen mit dieser Figur bereits ein Foto gemacht haben, um es geifernd ihren Freunden zu zeigen. Dann schüttle ich den Kopf und mache ein Foto.
In der nächsten Abteilung stehen wir vor einem Regal mit Dildos und Vibratoren in allen Größen und Formen. Es gibt die verspielte Version in Gestalt eines Regenwurms, Delfins, Maulwurfs. Es gibt dicke, dünne, kleine, große, sehr große und welche in Elefantengröße, die aussehen wie Baseballschläger. Welche Frau soll sich damit pfählen? Jene, die schon zweimal Drillinge bekommen hat und nun schon wieder im 9. Monat ist? Stichwort: „Schwanger und schon wieder geil.“
Regelrecht erniedrigend für die Spezies Mann wird es im Bereich „Gummipuppen“. Was für ein Anblick, wenn Mutti früher vom Mädelsabend nach Hause kommt und Vatti im Wohnzimmer erwischt, wie er die Plastikversion von Pamela Anderson beglückt, er zuerst die Lust verliert, bevor Plastik-Pam die Luft verliert. Mir machen diese Puppen eher Angst, mit ihren starren Augen und den weit aufgerissenen Mündern. Da lockt mich schon eher der BH aus jenen Bonbons an, die X so liebt. Kurz überlege ich, ob ich ihn ihr mitnehmen soll. Allerdings kann sie ihn sich ja schlecht selber vom Körper knabbern, und ich müsste schon bis zur Besinnungslosigkeit betrunken sein, um mir einen BH anzuziehen. Dafür sind meine Brüste sowieso zu klein. Ist auch gar nicht meine Farbe. Aus der gleichen Kollektion gibt es zwar ebenfalls einen Herrenstring, aber der ist für’n Arsch.
Vielleicht also doch lieber die rosa Plüschhandschellen? Oder die Peitsche mit den Nägeln? Aber das tut doch weh. Ach so … Das soll es ja auch … Die Lust am Schmerz kann ich jedoch nicht so ganz teilen. Letztens zerbrach mir in meiner Hand ein Glas, und eine Scherbe schnitt sich tief in meinen Finger. Es brannte und blutete. Geil wurde ich davon nicht. Ist also auch nicht meine Richtung. Für den geselligen Spieleabend unter Freunden gibt es Spiele wie „Rausch der Sinne“ oder „Extremes Verlangen“, wobei das erste nach einem Drogen-Wettkampf klingt und das zweite nach meinem immer stärker werdenden Empfinden: dem extremen Verlangen, den Laden zu verlassen. Für heute habe ich genug Öffnungen und Penetrationswerkzeuge gesehen.
Wir schlendern Richtung Ausgang. Vorbei an Regalen mit „Enlargement Pills“, die „für mehr Penispower“ sorgen sollen und gleich neben den „Liebestropfen“ stehen, irgendein Wundermittel, das erstaunliches verspricht: Ein paar Tropfen ins Getränk der Person deines Herzens und innerhalb von Minuten soll sie derart rattig auf dich werden, dass sie ihre Finger nicht von dir lassen kann. Und das für nur 14.99 Euro. Da kommt dich ein Besuch im Pascha sicher deutlich teurer zu stehen. Blöd nur, wenn du die Gläser vertauschst und dir statt Scarlett Johansson plötzlich Johann Scarletsson hinterher steigt. Wahrscheinlicher ist jedoch eh, dass in den Fläschchen bloß Brausewasser ist. Wie auch immer: Die Methode ist mir zu unsicher, also stell ich auch dieses Produkt schweren Herzen wieder zurück an seinen Platz. So ganz nebenbei bin ich vielleicht altmodisch, aber mir ist es dann doch lieber, die Frau geht aus voller Überzeugung mit mir ins Bett, nicht weil ich sie mittels Überzuckerung gefügig gemacht habe. Mit dem besten Sex verhält es sich im Grunde wie mit Weihnachten: Es ist ein Geben und Nehmen. Fragen Sie Robin Futt.