Montag, 30. Mai 2011

A man and a woman

(http://vimeo.com/10620636)

5 Regeln, mit denen Frauen mit Männern besser zurecht kommen.

1. Nehmen Sie die Dinge in die Hand!

Liebe Frauen! Wie oft beschwert ihr euch darüber, dass euer Partner mal wieder die Klobrille hat offen stehen lassen? Dass seine Sachen überall herumliegen. Dass ihr seit einem Jahr keine Blumen mehr von ihm bekommen habt. Dabei gibt es eine ganz einfache Lösung für diese Probleme: Eigeninitiative. Wenn Sie die hochgeklappte Klobrille stört, strecken Sie die Hand aus und klappen Sie die Klobrille einfach wieder herunter. Sie werden sehen, das ist gar nicht so schwer. Ihr Partner schafft es ja auch, die Klobrille ständig wieder hoch zu klappen. Wenn es Sie nervt, dass die Sachen Ihres Freundes überall herumliegen, räumen Sie sie weg. Es bringt gar nichts, ihm deswegen ständig in den Ohren zu liegen, manche Sätze verstehen wir Männer einfach nicht, klingen für uns wie Chinesisch. (Bevor Sie jetzt die Google-Übersetzung anschmeißen und Ihre Bitte auf Chinesisch übersetzen, geben Sie’s auf!) Und sollten Sie wirklich Blumen von Ihrem Partner wollen, warten Sie einfach ab, bis er Mist gebaut hat und sich sein schlechtes Gewissen meldet. Dann steht er mit einem Riesenstrauß vor Ihnen. (Fragen Sie ihn aber nicht, woher auf einmal diese Aufmerksamkeit kommt, Sie kriegen eh zu hören: „Einfach so!“)

2. Wenn Sie ihm etwas sagen wollen: Sagen Sie es!

Und zwar nicht als Andeutung, sondern sprechen Sie es klar aus! Keine subtilen Nachrichten, keine versteckten Hinweise, nur klare, leicht verständliche Worte, mit möglichst wenigen Nebensätzen. Wenn Sie wollen, dass Ihr Partner mal wieder etwas romantischer ist, kommen Sie nicht mit Kommentaren a la „Der Freund von der Uschi führt sie am Samstag ins Schlosshotel aus“, denn dann erhalten Sie als Reaktion von Ihrem Freund bloß ein „Ist der verrückt? Da spielt Bayern gegen Dortmund.“ Sie müssen auch nicht überdeutlich seufzen, während Sie mit Ihrem Freund auf dem Sofa liegen und im Fernsehen Richard Gere mit einem Rosenstrauß unter Julia Roberts Fenster steht. Das hat keinen Zweck. Zu dem Zeitpunkt ist Ihr Freund längst eingeschlafen. Und kommen Sie bitte, bitte nicht mit dem schnippischen Satz „Am Anfang unserer Beziehung warst du noch viel aufmerksamer.“ Natürlich war Ihr Partner das! Sonst hätten Sie sich ja auch nicht in ihn verliebt. Vermeiden Sie zudem unbedingt knappe eingeschnappte Antworten. Wenn Sie viermal laut durchatmen und ihr Partner Sie dann endlich fragt, was denn sei, antworten Sie nicht mit „Nichts“, ansonsten wird er sich so verhalten, als sei alles in Ordnung. Er weiß, dass Sie lügen, nimmt Ihre Antwort aber als willkommenen Anlass, sich den Abend nicht zu verderben. Andererseits gilt ebenso die goldene Regel: Flippen Sie nicht wegen jeder Kleinigkeit aus! Schreien und Keifen sind definitiv keine schlagenden Argumente.

3. Vermeiden Sie unbedingt die falschen Fragen!

Kennen Sie das? Sie steigen in Ihre Hose, ziehen und zerren sie mit aller Gewalt über Ihren Hintern und fragen sich, ob das Teil bei der letzten Wäsche eingelaufen ist. Sie denken, Sie seien zu dick. Dafür kann es zwei Gründe geben: Entweder haben Sie die Hose das letzte Mal als Teenager getragen. Oder Sie haben Recht. Dann aber fragen Sie nicht Ihren Partner, ob er das genauso sieht, denn er wird Sie in jedem Fall anlügen. Das Stichwort ist „Konfliktvermeidung“. Vergessen Sie zudem Fragen wie „Vermisst du mich?“, „Findest du die Frau auf dem Foto hübscher als mich?“, „Gucken wir heut Abend ‚Germanys next Topmodel’?“ oder „Wie gefällt dir meine neue Jeans?“! Die Antworten lauten: „Ja“, „Nein“, „Gern!“ und „Super!“ Oder wollen Sie wirklich, dass Ihr Freund ehrlich ist und sagt: „Mal mehr, mal weniger“, „Auf jeden Fall!“, „Auf keinen Fall! Da läuft das Pokalfinale“ und „Als Jeans so lala, als Zelt spitzenmäßig.“ Stellen Sie auch keine Fragen, auf die Sie eigentlich keine Antwort erwarten. Sollten Sie sich doch dazu hinreißen lassen, seien Sie unter Umständen gefasst auf eine Antwort, die Sie nicht hören wollen. Die unnötigste Frage aller Zeiten ist jedoch jene, was Ihr Partner gerade denkt, es sei denn Sie haben Lust, eine Diskussion über folgende Themen zu starten: Sex. Autos. Sport. Im günstigsten Fall kommen Sie mit einem „Nichts“ davon. Zweifeln Sie an dieser Antwort nicht! Männer besitzen tatsächlich diese Gabe, an das blanke, reine Nichts zu denken.

4. Legen Sie nicht alles, was Ihr Partner sagt, auf die Goldwaage!

Der Mann Ihrer Träume hat einen Satz gesagt (oder per SMS geschrieben), den Sie nun mit Ihrer besten Freundin auseinandernehmen, zerstückeln, analysieren und interpretieren, als drehe es sich hier um ein Gedicht von Bertolt Brecht. Sparen Sie sich die Mühe: Der Mann meint es genauso, wie er es geschrieben hat, und nicht anders. Es gibt keine unterschwelligen Botschaften in seinem Satz. Ausnahme: Wenn er nach einer Verabredung sagt/schreibt: „Wir können ja mal wieder was trinken gehen. Ich melde mich“, dann dürfen Sie davon ausgehen, dass er meint, dass sie beide getrennt voneinander was trinken gehen werden und er sich garantiert nicht wieder meldet. Ansonsten jedoch gilt: Was Sie sehen, ist was Sie bekommen. Um Stress für sich und Ihren Partner zu vermeiden, halten Sie es einfach so: Wenn ein Spruch von ihm auf zwei Arten interpretiert werden kann, und eine Antwort macht Sie traurig oder wütend, dann meint er die andere.

5. Räumen Sie Ihren Schrank doch mal wieder aus!

Ganz ehrlich: Wie viele Paar Schuhe haben Sie sich in Ihrem Leben bereits gekauft, nur weil Sie sie sooooo schön fanden. Fußkiller mit meterhohen Absätzen. Erwarten Sie kein Verständnis von Ihrem Partner für etwas, das Ihnen Schmerzen bereitet, teuer ist und wofür kein Mann auch nur ein einziges Auge hat. Und um Ihre weiteren Fragen gleich zu beantworten: Ja, Sie haben zu viele Klamotten. Nein, Sie brauchen diese Schuhe, die Sie nach der Anprobe im Geschäft vor anderthalb Jahren nicht ein einziges Mal getragen haben, nicht. Fassen Sie sich ein Herz und misten Sie Ihren Schrank einfach mal aus, aber kommen Sie nicht auf Idee, ungefragt Klamotten Ihres Partners mit in den Sack für das Rote Kreuz zu packen. Denn: Ja, das Sakko von seinem Schulball, mit den Flicken an den Ellbogen, sieht vielleicht nach Oxford, Anfang der 1980er aus, aber in fünf Jahren ist das wieder totschick. Nein, der Pullover ist nicht von Mutti gestrickt, den hat Mutti Ihrem Partner gekauft, als er fünfzehn war. Das ist sein Lieblingsteil unter seinen Sachen. Und das gilt auch für die anderen Klamotten.

Sie sehen, es ist gar nicht so schwer, sich mit Ihrem Partner zu arrangieren. Das einzige Problem zwischen Mann und Frau ist und bleibt nur die Tatsache, dass beide die gleiche Sprache sprechen und trotzdem permanent aneinander vorbei schweigen.

Montag, 23. Mai 2011

Summer soft

(http://www.youtube.com/watch?v=YErj4Equ34E)

Die Erinnerung kehrt ohne Ankündigung zurück.

Ich trete aus der Haustür, in meinen Joggingklamotten, und laufe los in Richtung Park. Die Luft ist warm. Es ist diese Vorsommeruhrzeit, zwischen halb neun und halb zehn, zu der die Sonne langsam untergeht und das Licht den Himmel in ein Gemälde von William Turner verwandelt. Einen Moment lang lausche ich bloß, während ich durch eine Allee laufe, unter blühenden Lindenbäumen, deren süßlicher Duft sich mit dem Grillgeruch aus Richtung der nebenliegenden Wiese vermischt. Das Rauschen der Baumwipfel hat eine beruhigende Wirkung; für einen Moment ist das Leben tatsächlich diese Astrid-Lindgren-Geschichte, die garantiert gut ausgeht. Mir geht durch den Kopf, wie sehr sich mein Leben verändert hat. Nicht nur in dem vergessenswürdigen letzten Jahr, vor allem in den vergangenen sechs Monaten. Ich kann verdammt zufrieden sein, mir fehlt es eigentlich an nichts. Als ich den Park betrete, atme ich die schwere warme Luft ein und starte meinen MP3-Player. Ein Song, den ich zuletzt gehört habe, geht zu Ende. Ich will gerade meine Alben durchstöbern, um einen neuen zu spielen, da beginnt bereits das nächste Lied. Es ist von John Mayer. Es bringt mit einem Schlag die Erinnerung zurück.

Hätte nicht gedacht, dass es immer noch so weh tut.

Sie zu beschreiben fällt mir schwer, da wir mittlerweile Fremde füreinander sind und es vielleicht immer schon waren. Andererseits habe ich noch nie solch eine Nähe wie zwischen uns beiden erlebt – nur eines von vielen zweiseitigen Gefühlen zwischen ihr und mir. Und obwohl ich weiß, dass eine Verbindung zu ihr – ganz gleich welcher Art – bloß Schmerz bringt, fällt es mir manchmal schwer, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass sie fortan bloß noch eine Erinnerung sein wird, die mehr und mehr verblasst. Darum schiebe ich alles, was mit ihr zu tun hat, von mir weg und agiere, wie es in solchen Dingen eigentlich nicht meinem Naturell entspricht: mit dem Kopf. Irgendwann antwortete ich auf eine ihrer Nachrichten mit dem Link zu einem Lied. Es war jenes, das John Mayer mir gerade, während ich über eine Brücke jogge, in mein Ohr singt. Ihre Reaktion darauf zeigte mir, dass sie es verstanden hatte, aber im nächsten Satz tat sie es ab, als wäre es nichts, also ging ich auch nicht weiter darauf ein.

Ich passiere einen See. Eine junge Frau sitzt auf einem Steg und sieht der Sonne dabei zu, wie sie hinter den schwarzgezeichneten Baumkronen verschwindet. Viele der Schwäne und Enten haben ihre Schnäbel in ihre Federn getaucht. Als Kind bin ich hier oft gewesen, um sie im Sommer zu füttern oder um im Winter Schlittschuh zu laufen. Und wieder kann ich nicht umhin, einen Blick zurück zu werfen.

Das letzte Mal, dass ich mich auf die Eisfläche des zugefrorenen Sees getraut habe, war zusammen mit ihr. Es waren einige Andere bereits auf dem Eis, dennoch war uns beiden nicht hundertprozentig wohl, während wir über die vereiste Schicht tapsten. Wir gingen auf jeden Schritt bedacht und lauschten, ob wir ein Knacken vernahmen. Angeblich soll man sich ja mit seiner Liebsten anstelle eines Liebesfilms einen Horrorstreifen ansehen, weil das gemeinsame Fürchten zusammenschweißt. Wenn das stimmt, kamen wir uns an diesem Tag ziemlich nah. Als wir in der Mitte des Sees angelangt waren, erstarrten wir beide plötzlich und sahen uns mit mulmigem Ausdruck im Blick an. Wir hatten das Knacken beide gehört. Wie zwei Bekloppte eilten wir – so schnell es auf dem rutschigen Eis mit unseren Schuhen eben möglich war – auf das rettende Ufer zu und waren heilfroh, als wir erdigen Boden unter uns spürten. Tatsächlich wurde in dem Augenblick ein durchnässter Teenager von zwei Rettungssanitätern in einen Krankenwagen geleitet, was uns in unserem Beschluss, den See in diesem Jahr nicht mehr zu betreten, bloß bestärkte. Hinterher konnten wir sehr über unsere Furcht lachen, was ja meist so ist, wenn man eine „brisante“ Situation überstanden hat.

Ich lache auch jetzt kurz auf und schüttle schmunzelnd den Kopf, während ich eine weitere Allee – dieses Mal Kastanienbäume – durchlaufe. Auf meinem MP3-Player wechselt „Summer soft“ von Stevie Wonder „Rule the world“ von Take That ab. Laufen ist einfach großartig. Man powert sich aus, kämpft gegen seinen inneren Schweinehund, bekommt den Kopf frei. Eine Gruppe Damen reiferen Alters marschiert mit Stöcken an mir vorbei. Sie tragen Schirmmützen gegen das blendende Abendlicht. Ich passiere eine Stelle, an der an warmen Tagen der Eiswagen steht. In Kindertagen sind meine Familie, Freunde und ich im Sommer oft mit unseren Fahrrädern an einen nahe gelegenen Badesee gefahren und haben uns auf dem Rückweg ein Eis für fünfzig Pfennig die Kugel geholt. (Als es auf sechzig Pfennig erhöht wurde, ging ein Aufschrei durch die Republik. Heute kostet ein Bällchen nicht selten ein Euro und kaum jemand beschwert sich – man gönnt sich halt mal was ...)

Die Erinnerung hält wieder Einzug, als ich an einer weiten Wiese vorbeikomme. Ich sehe sie und mich dort liegen und in Peanuts-Büchern schmökern. Manchmal lacht sie entzückt auf und zeigt mir einen besonders herzzerreißenden Comicstrip, in dem Charlie Brown mal wieder der unglücklichste Junge der Welt ist. Ich sehe uns aufspringen und herumwirbeln, weil wir von Wespen attackiert werden; es muss ein verdammt komischer Anblick gewesen sein. Irgendwann trauten wir uns schon gar nicht mehr, irgendetwas Essbares mit in den Park zu nehmen, da wir beide nicht gerade entspannt mit diesen drolligen kleinen Insekten umgingen.

Die Wärme wird verweht, die Blätter der Kastanien färben sich gelb, eines nach dem anderen fällt zu Boden und wird von einem dicken pappigen Schneemantel bedeckt. Ich sehe den kleinen Berg, der wie ein Pilz aus dem Boden ragt, und wie wir mit unseren Schlitten über seine weiße Haube sausen. Es ist Mitternacht. Der Himmel ist – trotz der späten Uhrzeit – hellrot. Unsere Gesichter auch, vor Anstrengung, weil wir die Schlitten immer wieder den rutschigen Berg hinaufziehen müssen. Nach vier, fünf Fahrten werden wir klatschnass, aber überglücklich den Heimweg antreten.

Wir werden einander zum ersten Mal sagen: Ich liebe dich.

Mein Lauf neigt sich dem Ende zu, nach einer Stunde an einem Ort, der nicht mehr der Gleiche ist. Ich denke, das ist okay. Auf den letzten Metern sehe ich Kraniche, die in einer Dreiecksformation majestätisch durch den Himmel gleiten, um dorthin zurückzukehren, wo sie glücklich sind.

Sehnsucht ist die einzige Abhängigkeit, gegen die es kein Mittel gibt.

Zuhause schnaufe ich durch, ziehe mir die verschwitzten Klamotten vom Leib und stelle mich fünf Minuten unter das kühle Duschwasser. Draußen ist die Sonne untergegangen, und die Straßenlaternen haben sich eingeschaltet. Sie werfen ein fahles Licht auf die einsamen Straßen.

Das Telefon klingelt. Es ist X. Ich freue mich, ihre Stimme zu hören. X ist der wichtigste Grund, weswegen dieses Jahr bisher (dreimal auf Holz klopf) derart katastrophenfrei verlaufen konnte. Sie fragt, was ich gemacht habe, und ich sage ihr, dass ich Laufen war, wundere mich gleichzeitig jedoch, dass ich so etwas wie ein schlechtes Gewissen bekomme, als würde ich ihr nicht die ganze Wahrheit erzählen. Aber was soll ich sagen: Ich war laufen.

Wir reden und scherzen und lachen miteinander, bevor X anfängt, herumzudrucksen.

„Was?“, frage ich sie.

„Ich habe da eine Idee und wollte dich fragen, was du davon hältst“, sagt sie.

„Ich bin gespannt“, sage ich und bin gespannt.

„Ich dachte, weil … Na ja, wegen der blöden Sehnsucht und so … Wie denkst du darüber, zusammenzuziehen?“, platzt es aus ihr heraus.

Überrascht öffnet sich mein Mund. Damit habe ich nun nicht gerechnet, und das sage ich ihr auch gleich. Dann entsteht eine kurze Pause.

Mein Blick fällt auf das Peanutsbuch neben meinem Bett. Ich senke den Kopf und lächel.

Dienstag, 17. Mai 2011

What's going on

(http://www.youtube.com/watch?v=Y9KC7uhMY9s)

Wie viele Rechte hat ein Mensch, der sich selber über jedes menschliche Recht erhoben, gemordet, missbraucht, vergewaltigt hat?

Vier Straftäter reichten erfolgreich Klage beim Bundesverfassungsgericht ein: Die früheren Regelungen zur Sicherheitsverwahrung verstießen gegen ihre Menschenrechte, hieß es. Schon bald werden sie möglicherweise wieder auf freiem Fuß sein. Sachlich betrachtet ist das Urteil der Karlsruher Richter bloß die logische Konsequenz politischer Versäumnisse der vergangenen Jahre, und dennoch: In dieser Angelegenheit gibt es nur Verlierer.

Wer sind die Kläger, die sich in ihren „Menschenrechten“ verletzt fühlten?

Daniel I. überfiel am Abend des 9. Juni 1997 eine Joggerin, schlang ihr ein Drahtseil um den Hals, zerrte sie in einen Wald, warf sie zu Boden und drückte ihr so lange einen Ast gegen den Hals, bis sie sich nicht mehr rührte. Dann riss er der leblosen Frau die Hose auf und onanierte auf sie.

David G. beging mehrere Einbruchsdiebstähle, vor allem in Erdgeschosswohnungen alleinstehender Frauen. 1978 vergewaltigte er eine von ihnen. Kaum war er nach seiner Haft wieder in Freiheit, setzte er seine Einbruchsserie fort. Ein Gutachten bescheinigt eine deutliche Gefahr, dass er weiterhin „erhebliche Straftaten“ begehe, durch die seine Opfer seelisch und körperlich schwer geschädigt werden könnten.

Peter B. fesselte im Juli 1983 eine junge Frau an einen Baum und vergewaltigte sie. Zwei Wochen später vergewaltigte er eine zweite Frau. Das Urteil: Sechs Jahre Freiheitsstrafe. Ein Jahr nach seiner Entlassung verging er sich innerhalb von zwei Wochen mehrfach gewaltsam an Prostituierten vom Kölner Straßenstrich, zwang sie zum Oralverkehr und vergewaltigte sie anschließend. 2009 beschrieb ihn die Sachverständige als „sexuell sadistischen Straftäter“, der die Dynamik seiner Straftaten nicht aufgearbeitet habe. Sprich: Peter B. ist nicht therapierbar.

Wolfgang G. wurde 1973 vom Landgericht Berlin wegen wiederholter Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch von Kindern zu zwölf Jahren verurteilt. Drei Monate nach seiner Haftentlassung zerrte er gemeinsam mit einem früheren Mitgefangenen zwei achtjährige Mädchen in sein Auto. Eines zwang er zum Oralverkehr, das andere vergewaltigte er. G. wurde zu sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt und in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen, von wo aus ihm schon nach kurzer Zeit die Flucht gelang. Im Juni 1988 vergewaltigte er eine 28 Jahre alte Frau und erwürgte sie. 1990 hielten die Richter ihn für therapierbar und ließen ihn in ein psychiatrisches Krankenhaus einliefern. Im April 1993 wurde er für „therapieunfähig“ erklärt. G. gab zudem zu, die Gutachter getäuscht zu haben. Während der Haft hatte er einige Semester Psychologie an der Fernuniversität Hagen studiert und die Experten manipuliert.

Diese vier Männer haben nun also Klage eingereicht, weil sie sich in ihren Menschenrechten verletzt fühlten. Vier Männer, die das Menschenrecht mit Füßen traten. Männer, die in der Regel nicht nur eine Chance, sondern gleich zwei, drei, vier Chancen erhielten; Chancen, die sie selber ihren Opfern nicht gewährten. Vier Männer, die nach wie vor als gefährlich eingestuft werden, bekamen von einem Gericht Recht zugesprochen. Noch einmal gefragt: Wie viele Rechte hat ein Mensch, der sich selber über jedes menschliche Recht erhoben hat?

Natürlich muss solch ein Urteil frei von Emotionen getroffen werden. Wir sind immer noch ein Rechtsstaat und keine Barbarei. Doch die Diskussion über eben jenes Urteil kann nie frei von emotionalen Regungen sein, von Empörung, Unverständnis, Zustimmung, wie auch immer man eben dazu steht. Und wieder einmal werden wir gezwungen, uns viel zu sehr mit den Tätern zu beschäftigen. Täter sollen nach Verbüßung ihrer Strafen wieder ins Leben integriert werden. Beamte begleiten sie nach der Haftentlassung teilweise zu solch profanen Dingen wie dem Kauf eines Kaffees oder zum Arbeitsamt, kümmern sich um Unterbringung in Wohnanlagen oder Altersheimen. Aber wer hilft dem Opfer dabei, zurück ins Leben zu finden? Dem zehnjährigen Mädchen, das mehrfach vergewaltigt wurde. Und warum geht es in einer Verurteilung hierzulande weniger um Bestrafung als darum, den Täter wieder auf den rechten Weg zu führen? Lebenslänglich bedeutet in Deutschland maximal fünfzehn Jahre. Wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung eines deutschen Mannes bei 77 Jahren liegt, wird der Begriff „lebenslänglich“ hier ziemlich frei ausgelegt. Wer übernimmt die Verantwortung, wenn ein Straftäter, trotz Warnung von Gutachtern, freigelassen wird und ein neues Verbrechen begeht? Kann das Opfer dann gegen das zuständige Gericht klagen, weil es gegen seine Menschenrechte verstoßen hat? Oder gegen die zuständigen Vertreter der Politik, die sich nicht rechtzeitig um eine Gesetzesänderung gekümmert haben? Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zeigt überdeutlich, dass es verheerende Makel in unserem Rechtssystem gibt.

Ein heute 58-jähriger Mann war wiederholt wegen Vergewaltigung junger Frauen verurteilt worden. 1990 verhängte das Landgericht Heilbronn zu den vorherigen Urteilen eine weitere Strafe von drei Jahren und ordnete zusätzlich eine zehn Jahre dauernde Sicherheitsverwahrung an. Nach Ablauf dieser Frist wurde diese Sicherheitsverwahrung auf unbestimmte Dauer verlängert, da Gutachter den Täter nach wie vor für gefährlich hielten. Dagegen klagte der Mann mit Erfolg: 2009 wurde er frei gelassen und bekam zudem 27.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Schmerzensgeld für einen Mann, der ein paar jungen Frauen lebenslangen Schmerz zugefügt hat. Der ganz offensichtlich nicht therapierbar ist und als gefährlich eingestuft wird. Schmerzensgeld, das von unseren Steuergeldern gezahlt wurde. Schön zu wissen, dass unser Geld sinnvoll eingesetzt wird. Der arme, arme gefährliche Vergewaltiger musste solche Höllenqualen erleiden, weil das unbarmherzige Gericht die Öffentlichkeit vor ihm schützen wollte … Ich weiß, es ist sicher unangebracht, zynisch zu werden, aber es ist nicht leicht, diese wie auch viele andere Entscheidungen deutscher Richter nachzuvollziehen. Damit eines klar ist: Ich bin gegen die Todesstrafe. Immer wieder hört man von Menschen, deren Unschuld nach der Hinrichtung bewiesen wurde. Ich bin froh, dass wir in Deutschland diese Form der Bestrafung nicht anwenden. Aber genauso bin ich gegen zu lasche Urteile. Gegen Gefängnisse, die wie Drei-Sterne-Hotels daherkommen. Während meiner Zeit bei Domian habe ich mit dem ein oder anderen Strafgefangenen gesprochen; neun von zehn sagen, dass Knast eine bequeme billige Art der Unterbringung ist, und ungefähr die Hälfte beurteilt das eigene Urteil sogar als zu milde. Damit ist ein grundlegender Fehler bereits aufgedeckt: Im Knast gibt es jene Rund-um-die-Uhr-Betreuung, die den Opfern verwehrt bleibt. Und das ist für mich der größte Missstand.